Welche BGM-Maßnahme ist die erfolgreichste?
Richtig: Die, die ankommt, genutzt wird und als hilfreich empfunden wird.

Und genau hier wird es bei Auszubildenden spannend: Denn wer sie erreichen will, muss verstehen, was ihren Alltag, ihre Bedürfnisse und ihre Perspektive prägt. Was es dafür braucht, sind keine Standartmaßnahmen, die an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbeigedacht ist. Sondern solche, die an deren Lebenswelt anknüpfen.


Gesundheitsförderung beginnt mit einem Perspektivwechsel

Auszubildende und Berufseinsteiger:innen – eine Zielgruppe, die mit neuen Herausforderungen und ganz vielen Veränderungen konfrontiert ist. Und gleichzeitig ist es eine neue Generation der Arbeitnehmenden, die wir vielleicht nicht mit den typischen Angeboten erreichen können. Denn ein Angebot kann fachlich richtig und trotzdem unpassend sein. Ein Vortrag über Stressmanagement hilft wenig, wenn die eigentliche Belastung ein unklarer Dienstplan, fehlende Einarbeitung oder Angst vor Fehlern ist.

Es heißt also: Nachfragen. Zuhören. Bedürfnisse ernst nehmen. Und anbieten, was wirklich gebraucht wird.

Aber wieso sollen wir überhaupt bei dieser jungen Zielgruppe mit Betrieblicher Gesundheitsförderung anfangen? Sie sind ja schließlich noch jung und gesund! Aktuelle Erhebungen des DGB (2025) zeigen ein anderes Bild: mehr als die Hälfte der befragten Auszubildenden berichtete von psychischer Belastung. Finanzielle Sorgen, Leistungs- und Zeitdruck sowie regelmäßige Überstunden sind keine Seltenheit.

Beteiligung als Königsdisziplin

Auszubildenden also bereits zum Start ein gesundheitsförderliches Arbeiten und Wirken zu ermöglichen, ist durchaus sinnvoll. Gesunde Mitarbeitende sind das Rückgrat aller Unternehmen. Je früher wir ansetzen, desto desto besser können junge Menschen gesundheitsförderliche Routinen entwickeln, ihre Gesundheitskompetenz stärken und langfristig leistungsfähig bleiben.

Eine wirksame Gesundheitsförderung lebt von Beteiligung. Dabei können wir folgende Fragen stellen:

Wer gefragt wird, fühlt sich berücksichtig und wertgeschätzt. Das baut Vertrauen auf. Und das ist eine wichtige Herausforderung dafür, dass sich auch für sensible Themen wie die psychische Gesundheit geöffnet wird.



Gesundheitsförderung für Azubis beginnt nicht mit der Frage, wie wir sie verändern können. Sie beginnt mit der Bereitschaft,
unsere Arbeitswelt aus ihrer Perspektive zu betrachten – und gemeinsam mit ihnen besser zu gestalten.


Was in der Praxis funktioniert: Impulse für Ihr BGM

Was kann daraus konkret entstehen? Je nach Bedarf ganz unterschiedliche Formate: ob kurze Impulsen, interaktive Workshops oder gemeinsame Aktionen. Entscheidend ist vor allem die Frage, welche Herausforderung damit aufgegriffen wird.

Kurz, interaktiv und alltagsnah

Keine 60-Minuten-Vorträge, sondern kurze und knackige Impulse, die an den Alltag anknüpfen. Denn der Einstieg ins Berufsleben bringt viele neue Routinen mit sich. Praxisimpuls: „Fitter Start ins Berufsleben“ mit konkreten Tipps für Energie, Ernährung, Pausengestaltung und Bewegung.

Gesundheit erlebbar machen

Gerade zu Beginn geht es auch darum, Anknüpfungspunkte zu finden und ein Zugehörigkeitsgefühl aufzubauen. Gemeinsame Aktivitäten verbinden Gesundheitsförderung mit Teambuilding. Praxisimpuls: Kochworkshops, Meal-Prep-Sessions oder Snack-Challenges

Raum für Austausch schaffen

Wissen ist gut, darüber sprechen besser. Wenn Auszubildende ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen können, fördert das Verständnis, Zugehörigkeitsgefühl und Bewusstsein – für sich, aber auch für andere. Gesunde Teams leben auch von einem gesunden Miteinander. Regelmäßig Möglichkeiten für den Austausch zu schaffen ist wertvoll für alle Beteiligten. Praxisimpuls: Workshops oder Gesprächsformate zu Stress, mentaler Gesundheit, Schlaf oder dem Umgang mit Druck

Digitale Formate mitdenken

Nicht, weil „die junge Generation“ nur noch digital lebt. Sondern weil das Formate sind, die in den Alltag dieser Menschen reinpassen. Zudem lassen sie sich gut mir persönlichen Angeboten verknüpfen und schaffen damit langfristige Gesundheitsförderung.
Praxisimpuls: Mini-Impulse, Challenges, Quiz-Formate, Podcasts

Finden Sie gemeinsam mit Ihren jungen Beschäftigten heraus, was am besten funktioniert. Nicht jedes Format muss passen. Wichtig ist es, mit jeder Maßnahme auch Feedback zu verknüpfen: Was war gut, wo könnte man eine andere Richtung einschlagen, welche Unterstützung wird als besonders wertvoll wahrgenommen? Bedarfe können sich mit der Zeit verändern und daher braucht es eine gewisse Anpassungsfähigkeit. Was nichts Negatives sein muss, im Gegenteil: Anpassungsfähigkeit ist ein klarer Vorteil, der es ermöglicht, frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren und Gesundheitsförderung kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Von der Maßnahme zur Kultur

Der Einstieg ins Berufsleben prägt, wie Menschen Arbeit erleben und auch, welchen Stellenwert die eigene Gesundheit dabei bekommt. Deshalb lohnt es sich, Gesundheitsförderung nicht erst dann anzubieten, wenn erste Belastungen sichtbar werden. Wenn gesundes Arbeiten zur Unternehmenskultur dazugehört und für alle gleichwertig angeboten wird, kann damit ein Raum geschaffen werden, in dem Gesundheit selbstverständlich ist.

Am Ende sollte also keine einzelne Maßnahme stehen, sondern ein größeres Gesamtkonstrukt, dass von Weiterentwicklung und Beteiligung lebt. Wer junge Menschen gesund ins Berufsleben begleitet, investiert nicht nur in ihre Gesundheit, sondern in die Zukunft der eigenen Organisation.

Quellen: DGB-Ausbildungsreport 2025


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


error: Content ist geschützt!!